„Parodontitis-Therapie im Focus – Wie bewerten wir die Wirksamkeit?“ – Ein Bericht vom Parlamentarischen Abend der DG PARO in Berlin

Am Mittwoch, den 28. Februar 2018 fand in Berlin der Parlamentarische Abend statt. Turnusgemäß war dieser für Oktober 2017 angesetzt, jedoch wurde dieser Termin aufgrund der schwierigen Regierungsbildung verschoben.

Die Moderatorin Frau Schneider eröffnete um 18 Uhr die Veranstaltung unter dem Thema „Parodontitis-Therapie im Focus – Wie bewerten wir die Wirksamkeit?“.

Der komplette Vorstand der DG PARO war anwesend. Die KZBV wurde durch Dr. Eßer und Herrn Hendges vertreten, die BZÄK durch Dr. Oesterreich. Des Weiteren war Herr Christian Nobmann als Leiter Koordination G-BA zugegen. Seitens der Politik waren Herr Dirk Heidenblut (SPD), Frau Kirsten Kappert-Gonther (Bündnis 90 / Die Grünen) und Frau Christine Aschenberg-Dugnus (FDP) anwesend. Vertreter der Krankenkassen waren Herr Michael Kleinebrinker für den GKV-Spitzenverband und Herr Dietmar Knappe für den Verband der Ersatzkassen.

Nach Begrüßung und Themeneinführung durch Herrn Prof. Christof Dörfer eröffnete Herr Prof. Giovanni Maio den Abend mit einem beeindruckenden Vortrag über die „Basis ärztlichen Handelns“. Der Arzt, der am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin lehrt und in zahlreichen Ethikkommission vertreten ist und sich selbst gerne als Philosoph bezeichnet, hielt einen beeindruckenden Vortrag darüber, wie ärztliches Wissen generiert wird. Er legte dar, dass die Zahnmedizin eine praktische Wissenschaft sei und stellte den Unterschied zur theoretischen Wissenschaft dar. Er begründete, warum man die externe Evidenz, also Studien, kennen müsse, aber jeder Fall dennoch singulär entschieden werden müsse und warum RCTs (randomized controlled clinical trials) für Medikamentenstudien gut, aber eben nicht auf die Zahnmedizin anzuwenden seien. Des Weiteren klärte er auf, dass die EBM (evidence-based medicine) kein „endgültiges“ Wissen generieren könne.

Prof. Peter Eickholz hielt anschließend einen Vortrag über die „Konzepte moderner Parodontitis-Therapie“, in dem er darstellte, was Parodontitis ist, wie sie entsteht und wie die Therapie heute aussieht. Abschließend hielt Herr Prof. Dörfer einen Vortrag zum Thema „Wie bewerten wir die Wirksamkeit?“, in dem er die Studienergebnisse zur Wirksamkeit der Parodontitis-Therapie vorstellte. Er zeigte auf, was das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) veröffentlicht hat und warum es in Bezug auf die Parodontitis-Therapie keinen Sinn mache, nur RCTs als Evidenz zuzulassen und die guten weltweit durchgeführten retrospektiven Studien als Evidenz nicht anzuerkennen.

Im Anschluss an die wissenschaftlichen Vorträge gaben die einzelnen Vertreter der politischen Parteien Ihre Statements unisono dahingehend ab, dass die Wirksamkeit der jahrzehntelangen etablierten und weltweit anerkannten Parodontitis-Therapie nicht in Frage gestellt und die Schlussfolgerungen der IQWiG-Studie nicht nachvollzogen werden können.

In der darauffolgenden Diskussion zwischen Wissenschaftlern, Politiker und Vertretern des Berufstandes und der Krankenkassen kristallisierte sich heraus, dass die Wirksamkeit der Parodontitis-Therapie von den Anwesenden nicht in Frage gestellt wird, jedoch die Kostenübernahme, insbesondere der UPT, ein kontroverses Thema werden könnte. Des Weiteren herrscht Unklarheit darüber, welche Konsequenzen die Empfehlung des IQWiG nach sich ziehen würde. Jedoch war man sich einig, dass eine negative Pressemitteilung des IQWiG zum Thema Parodontitis-Therapie einen bleibenden negativen Eindruck bei der Bevölkerung bzw. bei Patienten hinterlassen könnte. Dies soll durch Öffentlichkeitsarbeit der DG PARO versucht werden zu verhindern.

Der Abschlussbericht des IQWiG soll noch im März 2018 vorgestellt werden – bleibt abzuwarten, ob das IQWiG auf die Kritik der Fachgesellschaften eingegangen ist und in seiner Stellungnahme bezüglich der Parodontitis-Therapie darauf reagiert hat.

Es bleibt der Eindruck, dass der parlamentarische Abend in Berlin eine außerordentlich wichtige politische Veranstaltung für das Thema Parodontitis ist und eine gute Möglichkeit bietet, die für unseren Berufsverband wichtigen Themen bei den Vertretern der Politik ins Gedächtnis zu rufen und sie diesbezüglich zu sensibilisieren.

 

Dr. Ulrika Montén

Beisitzerin Vorstand BFSP e.V.

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