„Parodontitis-Therapie personalisiert“ – Ein Bericht vom Parlamentarischen Abend der DG PARO in Berlin

Am Mittwoch, den 20.02.2019 fand der 5. Parlamentarische Abend der DG PARO in Berlin statt.

Die Moderatorin Frau Schneider eröffnete mit gewohnter Eloquenz die Veranstaltung unter dem Thema „Parodontitistherapie personalisiert“.

Seitens der DG PARO waren der Präsident Herr Prof. Dr. Dörfer sowie die Vorstandsmitglieder Frau PD Dr. Dannewitz, Herr Prof. Dr. Jentsch, Herr Prof. Dr. Dommisch und Herr. Dr. Worch anwesend. Stellvertretend für die Politik waren Frau Aschenberg-Dugnus (FDP) und Herr Monstadt (CDU) anwesend, während seitens der Krankenkassenvertreter dieses Jahr nur Herr Strippel in seiner Funktion als Berater des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen vertreten war. Die KZBV wurde repräsentiert durch Herrn Hendges und Herrn Nobmann, die BZÄK durch Herrn Prof. Oesterreich. Das Institut der Deutschen Zahnärzte wurde erneut durch Herrn Prof. Dr. Jordan vertreten.

Nach der Begrüßung eröffnete Herr Prof. Dr. Dörfer die Veranstaltung mit einer kurzen Einführung in die Thematik Parodontitis und deren Behandlung. Er forderte, aufgrund der Vielfältigkeit der Erkrankung und der lebenslang notwendigen Betreuung, differenzierte personalisierte Therapieansätze, mehr Forschungsförderung, mehr Anteile in der Lehre und ein höheres Bewusstsein der Patienten gegenüber der Erkrankung.

Herr Prof. Kocher berichtete von der DMS V und der SHIP Studie, die aufgezeigt haben, dass die Mundgesundheit der Deutschen sich in den letzten Jahren verbessert hat. Eine schwere Parodontitis liegt jedoch immer noch bei 8% der Erwachsenen und 19% der Senioren vor und steht in engem Zusammenhang mit Bildungsstand, Rauchen, unkontrolliertem Diabetes und eventuell auch Osteoporose. Wenngleich diese Erkenntnisse nicht neu sind, so zeigte Prof. Kocher jedoch erneut eindrucksvoll auf, dass in einer alternden Gesellschaft dem Zahnerhalt sowie der Parodontitis zukünftig eine größere Bedeutung zukommen wird.

Herr Prof. Dr. Jepsen berichtete von der neuen Klassifikation, welche seit kurzem, auch in deutscher Übersetzung, von der DG PARO im Internet zur Verfügung gestellt wird. Die neue Klassifikation ist weltweit gültig, personalisiert und anpassungsfähig. Sie beinhaltet das „Stage“  (das Stadium der Erkrankung), welches den Schweregrad bzw. das Ausmaß und die Komplexität der Therapie charakterisiert. Zudem werden durch das „Grade“  (der Grad der Erkrankung) Informationen hinsichtlich der Krankheitsprogression und  der individuellen Risiken abgebildet.

Anschließend berichtete Herr Prof. Listl von den ökonomischen Aspekten der Parodontitis und ihrer Therapie. Eindrucksvoll zeigte er auf, dass die Kosten der oralen Erkrankungen im EU-Ranking hinter den Kosten für Diabetes und CVD (cardiovascular disease) auf Platz 3 stehen. Dies bedeutete für Deutschland im Jahre 2015 Behandlungs- und Produktivitätsverluste infolge der Parodontitis-Erkrankung von 3,5 Mrd. Euro. Herr Prof. Listl zeigte auf, dass eine Behandlung der Parodontitis in jedem Fall kostengünstiger sei als die alternative Zahnersatzversorgung.

Im Anschluss an die wissenschaftlichen Vorträge gaben die Vertreter der Parteien Ihre Statements ab. Frau Aschenberg-Dugnus stellte fest, dass es wichtig war, die neuen wissenschaftlichen Leitlinien zu veröffentlichen. Sie tritt für eine Vergütung des ärztlichen Aufklärungsgesprächs ein und befürwortet eine regelmäßige Prävention bis ins hohe Alter, die auch honoriert werden sollte. Herr Monstadt warb ebenfalls für eine Vergütung der Aufklärung, forderte jedoch zusätzlich, dass sich Zahnärzte und zahnärztlichen Gesellschaften klar gegen Zuckerkonsum positionieren sollten.

In der darauffolgenden lebhaften Diskussion zwischen Wissenschaftlern, Politikern und Vertretern des Berufsstandes wurde deutlich, dass neben der Behandlung der Parodontitis die weitere Aufklärung der Patienten und die Prävention als wichtiger Punkt gesehen wird. Nachdem dies in Bezug auf Karies schon hervorragend funktioniert hat, sollten ähnliche Strategien auch für die Parodontitis angewandt werden. Einigkeit bestand zudem darüber, diesbezüglich Aufklärungskampagnen zu organisieren und eventuell dem „alten“ Bonusheft ein neues Gewand mit dem Namen „Prävention“ zu geben.

Zusammenfassend bestätigte sich der parlamentarische Abend in Berlin erneut als wichtige politische Veranstaltung für unseren Berufsstand, um eine der häufigsten chronischen Erkrankungen – die Parodontitis – ins (politische) Gedächtnis zu rufen.

Dr. Ulrika Montén

Beisitzerin im Vorstand des BFSP e.V.

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