„Parodontologie 2020: Wo geht die Reise hin?“ – Ein Bericht von der BFSP-Tagung in Mainz

 

Unter dem Motto „Parodontologie 2020: Wo geht die Reise hin?“ empfing der BFSP e.V. am Samstag, den 18.05.2019 seine Tagungsgäste und Referenten in Mainz.

Nach kurzer Begrüßung der über 100 Teilnehmer durch den 1. Vorsitzenden Dr. Eric von Bethlenfalvy und einer kurzen Präsentation des Berufsverbandes startete der erste Programmblock.

Prof. Dr. Torsten Auschill eröffnete den ersten Block mit dem Thema „Modernes Biofilmmanagement – Stellenwert der adjuvanten Therapieansätze“. Er stellte das klassische Therapieschema vor und ging dabei aber auch immer auf die neuen S3 Leitlinien ein. Er betonte immer wieder, wie wichtig die lebenslange Motivation des parodontal erkrankten Patienten ist. Weiterhin stellte er auch den Unterschied zwischen der „PZR“ und der „UPT“ dar und ging auf deren Diskussion in der Öffentlichkeit ein. In der anschließenden Diskussion wurde gerade der Einsatz von systemischen und lokalen Antibiotika nachgefragt und heiß diskutiert.

Als nächster Referent beleuchtete Dr. Dennis Schaller das Thema „Klinische Entscheidungsfindung in der Parodontaltherapie: Zahn oder Implantat“. Er stellte dar, dass es einen Unterschied zwischen Front- und Seitenzähnen gibt und die Parodontaltherapie erfahrungsgemäß im Frontzahnbereich sehr gut funktioniert. Bei Implantattherapie in der OK-Front ging er auf die Gefahr der Elongation der Nachbarzähne auch im höheren Alter ein und stellte Alternativen wie die Marylandbrücke dar. Im Seitenzahnbereich sollte man bei schon prothetisch einbezogenen Zähnen mit guter Wertigkeit nur die prothetische Erneuerung anstreben und ansonsten die geschlossene Zahnreihe möglichst versuchen zu erhalten. Abschließend kann man sagen, dass ein Implantat immer nur einen nicht-vorhanden Zahn ersetzen sollte und nicht einen Zahn ersetzten sollte.

Nach einer kurzen Pause referierte Prof. Dr. Clemens Walter über der Problematik furkationsbefallener Molaren unter dem Thema „Therapie furkationsbefallener Molaren: Wie gehe ich vor?“ Er stellte eine Studie vor mit der provokanten Frage, ob denn Zahnärzte einen Sinuslift an sich selbst durchführen lassen würden und zeigte auf, dass die Parodontologen diejenigen sind, die dies eher selten an sich selbst durchführen lassen würden. Er zeigte plastisch den Flowchart für die Behandlung von furkationsinvolvierten Molaren auf und wies darauf hin, dass die Anfertigung eines DVTs unter bestimmten Umständen die Therapiekosten und -zeit reduzieren kann, da die definitive Therapie dadurch genauer und besser geplant werden kann.

Prof. Dr. Adrian Kasaj, der Lokalmatador, berichtete über die „Kinischen Konzepte in der regenerativen Parodontaltherapie“. Er begann bei den früheren Konzepten der resektiven Parodontalchirurgie, zeigte die regenerativen Maßnahmen auf und schlug den Bogen bis in die jetzige Zeit, wo regenerative Maßnahmen minimalinvasiv nicht-chirurgisch durchgeführt werden. Diese Studien konnten zeigen, dass bei Taschen von 5 bis 9 mm die Tasche geschlossen und / oder der Knochendefekt regeneriert werden konnte.

Als Abschluss des Vormittagsblocks gab Dr. Florian Rathe ein „Update der plastisch-ästhetischen Parodontalchirurgie“. Dabei zeigte er ein für viele Teilnehmer beeindruckendes Video zur Entnahme eines BG-Transplantat vom retromolaren Bereich bis hin zum Eckzahn und was man damit decken kann. Er ist auf die neue Klassifikation der Rezessionen eingegangen, welche die Rezession genauer beschreibt, besonders im Hinblick auf die Schmelz-Zement-Grenze und Stufen auf der Wurzeloberfläche. Er berichtete, dass KFO der wohl häufigste Grund für eine Rezessionsausbildung ist und stellte den Unterschied zwischen dem Gold-Standard des BG-Transplantats und alternativen Materialien dar.

Nach der Mittagspause, in der es Gelegenheit zur Stärkung und zum Besuch der Austeller gab, startete der Nachmittagsblock mit Prof. Dr. Holger Jentsch zum Thema „Neue Klassifikation der Parodontalerkrankungen: Was hat sich geändert?“. Er wies anfangs darauf hin, dass die neue Klassifikation ja noch nicht von den Krankenkassen, KZVen und Universitäten anerkannt wurde und daher die alte noch benutzt werden kann und wird. In seinem Vortrag stellte er die wichtigsten Neuerungen vor – unter anderem, dass in der neuen Klassifikation erstmals die parodontale Gesundheit beschrieben wird, welche auch bei reduziertem Parodont bestehen kann. Zudem wies er auf Widersprüche in der Klassifikation hin und zeigte einen Flowchart für das Staging und Grading auf.

Im Anschluss referierte PD Dr. Christian Schmitt über das Thema „Implantate im parodontal kompromittierten Gebiss – Möglichkeiten & Risiken“. Er stellte die Klassifikation der Periimplantitis vor und stellte heraus, dass die Periimplantitis schnell voranschreitet und die Oberflächen generell schwierig zu reinigen sind. Er stellte sein Präventionskonzept nach Implantatinsertion vor und ging auf die Wichtigkeit der UPT und der Hygienefähigkeit der Implantatprothetik ein.

Nach einer weiteren Kaffeepause mit Kuchen startete der letzte Vortragsblock mit Dr. Frank Bröseler und dem Thema „Periimplantitis – Periimplantäre Mucositis: Herausforderung in der Therapie und Prävention. Er stellte anfangs klar heraus, dass das Implantat keine Zahn ist und die Periimplantitis immer häufiger auftreten wird, da immer mehr Implantate auch von nicht-spezialisierten Zahnärzten inseriert und versorgt werden. Er wies darauf hin, dass der BoP das wichtigste Kriterium sei, ging auf die Behandlung ein auf Grundlage des CIST und stellte die Wichtigkeit der frühzeitigen Erkennung und frühzeitigen Behandlung dar.

Als Abschlussredner referierte Dr. Klaus Höcker zum Thema „Die parodontologisch spezialisierte Praxis – Chancen und Herausforderungen“. Die Chancen seien für ihn, Spaß an der Arbeit zu haben und mit – und von – dem leben zu können, was man mache. Er erklärte den Terminus Spezialist und zeigte auf, wie und wo man die Ausbildung absolvieren kann. Er ging auf den geringeren Zahnverlust pro Jahr in einer parodontologisch spezialisierten Praxis ein und stellte die wirtschaftlichen Herausforderungen dar. Schlussendlich nannte er noch eine traurige Zahl, dass nämlich nur 16-17 PA-Fälle pro GKV-Zahnarzt pro Jahr abgerechnet würden, was mit der Inzidenz der als Volkskrankheit bekannten Parodontitis nicht vereinbar ist.

Die durchweg gelungene Tagung wurde von Dr. Eric von Bethlenfalvy geschlossen, der nochmals allen Referenten, Teilnehmern, Ausstellern und dem Organisationsteam dankte.

In zwei Jahren – im Jahr der EuroPerio also – ist die nächste Veranstaltung dieser Art geplant.

 

Dr. Ulrika Montén

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